So lernt man gerne!
Neubau der Grundschule in Westercelle
26.02.2025



Viele von uns kennen noch das recht archaische Computerspiel „Tetris“, bei dem es darum geht, Elemente so anzuordnen, dass kein Zwischenraum bleibt. Vor einer vergleichbaren Aufgabe standen die Planenden und Bauenden der neuen Grundschule in Westercelle, die auf dem Grundstück der Grundschule Bruchhagen realisiert wurde und künftig auch die Grundschule Nadelberg beherbergt. Die Errichtung des neuen Gebäudes musste auf der Fläche des Schulhofes stattfinden, um das vorhandene Bestandshaus während der Bauarbeiten für den Schulbetrieb zu erhalten.
Was hier dann verwirklicht wurde, ist allerdings das glatte Gegenteil eines Lückenfüllers: Die neue Grundschule überzeugt mit einem räumlich umgesetzten pädagogischen Konzept, das auf Kooperation und freie Gruppenbildung beim Lernen setzt und noch immer eine Vorreiterrolle für sich beanspruchen darf. Das Schlüsselwort des Konzeptes lautet „Clusterprinzip“.
Mit ihm verbindet sich die Idee, den Grundschulunterricht nicht mehr in allzu starren Klasseneinheiten zu organisieren, sondern jahrgangsbezogene Cluster zu bilden, in denen sich die Kinder projekt- und lernbedingt in eigenen Konstellationen gruppieren können. Um das zu ermöglichen, müssen die räumlichen Voraussetzungen mitspielen – und das tun sie hier. Das neue Gebäude ist in Lernorte gegliedert, von denen es vier – für jede Jahrgangsstufe einen – gibt. Jeder dieser Lernorte beinhaltet vier Unterrichtsräume, zwei Gruppenräume und einen Marktplatz, auf dem das Zusammenleben und Zusammenlernen jenseits statischer Zuordnungen gelingen kann. Jeder Lernort verfügt darüber hinaus über seinen eigenen Garderoben- und Sanitärbereich.
Auch im Sanitären erweist sich die neue Grundschule als innovative Pionierin: Kinder, die hier „mal müssen“, gehen auf eine Unisex-Toilette und erleben, wie entspannt es sein kann, bestimmte Aspekte des Alltags geschlechterunabhängig erledigen zu dürfen.
„Ich bin voll und ganz überzeugt vom Konzept dieser Schule“, sagt Dipl.Ing. Christiane Leiska vom Büro plp Architekten aus Braunschweig und Hamburg, die für die Entwicklung und Realisierung des Neubaus zuständig war, „und ich bin besonders froh über die farbigen Glasfelder, die wir in die Fassade integriert haben und die die Lichtstimmung im Lauf des Tages dynamisch verändern. Jede der vier Farben findet sich in einem Lernort wieder.“
Diese Öffnung zur Außenwelt ist prägendes Thema in der neuen Grundschule. Ihr zentraler Ort ist die Eingangshalle mit angeschlossenem Versammlungsraum, der als Mensa dient und für Veranstaltungen mit über 200 Personen genutzt werden kann und direkten Bezug zum Schulhof hat. Angegliedert ist der Musikraum, der sich mittels einer mobilen Wand als Bühne öffnen lässt.
Viel Fortschrittliches ist hier Raum geworden, und die Bereitschaft, im Bildungsbereich für die Jüngsten etwas zu bewegen, ist offensichtlich: „Wir bauen häufig Schulen“, sagt Christiane Leiska, „die Zusammenarbeit mit der Stadt und der Schulleitung lief hier außerordentlich gut.“
Bleibt noch die ausstehende Aufgabe, die gewissermaßen das Gegenteil von „Tetris“ ist. Der ursprüngliche Bestandsbau wird nach dem erfolgreichen Einzug in die neue „GS Westercelle“ abgerissen, die Außenanlage neu angelegt. Doch zeigt sich auch dabei, dass nicht unbedingt der Bruch, sondern oft der Übergang die Lösung der Wahl sein kann: Ein Anbau des Bestands, der weiterhin als Werkpavillon fungiert, und die Turnhalle bleiben erhalten und werden harmonisch in das neue Raumkonzept integriert.
Die an diesem Objekt beteiligten Firmen empfehlen sich

Helmut Baxmann Heizungsbau

MARKOWSKY Elektrotechnik

Schulz Sanitär- & Heizungstechnik

TH. ZINK Gmbh Fenster und Türen
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