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05 Februar 2023

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Dezember 2022

Liebe Leser*innen,

es soll ja hin und wieder vorkommen, dass Schwiegersöhne oder Schwiegertöchter nicht auf Anhieb in die Familien hineinfinden, in die sie hineingeheiratet haben. Man mäkelt gerne mal an ihnen rum, kritisiert ihr Outfit, widerspricht bei allem, was sie sagen, gibt ihnen also unter dem Strich zu verstehen: Schön, dass du hier bist, besser wäre aber, du wärst woanders. So weit, so schlimm, aber wirklich nichts Neues, zu erleben in abertausenden Familien von Winsen bis Winnipeg, von Ovelgönne bis Oslo, von Celle bis Canberra.

Aber jetzt kommt etwas Neues, und das ist eine wirklich gute Nachricht für alle derart Gescholtenen und Gedemütigten. Es lässt sich nämlich mit diesem schweren Schicksal richtig viel Kohle machen, so viel Kohle sogar, dass es reichen müsste für eine Lokalrunde Schampus in St. Moritz oder einen Stammplatz am Roulettetisch in Monaco. Wie das funktioniert? Eigentlich ganz einfach. Man muss es nur machen wie der englische Prinz Harry und sein angetrautes Hollywoodsternchen Megan.

Die beiden haben ihr ach so schweres Los in die Hände genommen und es zu Netflix getragen. Denn dort gibt es tatsächlich Drehbuchfachleute, die den an sich in zehn Sekunden zu verstehenden Satz „Wir wurden gemobbt“ zu einer kompletten Serie mit mehreren Stunden Laufzeit aufblasen können. Und zack, schon klingelt’s in der Privatkasse der so unfair ins amerikanische Exil Getriebenen. Es braucht für den Erfolg offensichtlich nicht unbedingt erfolgreiche Geschäftsideen, eine schrecklich nette Familie reicht völlig aus.

Aber apropos Erfolg. War da nicht was? Vielleicht sogar eine WM? Vielleicht sogar die WM in Deutschlands Volkssport Nummer Eins? Fußball? Stimmt. Das haben wir alle zusammen nicht nur geträumt, diese WM gab’s tatsächlich. Und die deutsche Fußballnationalmannschaft der Herren hat sich gleich drei Strategien zurechtgelegt, um mit größtmöglichem Erfolg darauf hinzuweisen, dass im Gastgeberland Qatar so einiges im Argen liegt. Diese Strategien waren abgekupfert von dem berühmten Bild mit den drei Affen, von denen einer nicht spricht, einer nicht sieht und der dritte nicht hört.

Los ging’s also mit Mundzuhalten – auf dem Mannschaftsbild vor dem Japanspiel. Auf dem Spielfeld schloss man dann wohlwollend die Augen und ließ die elf wackeren Samurai so glatt durch die Abwehrreihen gleiten als wären sie ein japanisches Küchenmesser und man selbst ein Lachsfilet, das portionsgerecht für Sushis zurechtgeschnitten wird. Und am Ende wollte man nichts davon hören, dass eventuell irgendetwas mit der Qualität der Mannschaft nicht gestimmt hat. Weiter geht’s in Richtung Heim-EM, 2024 in good old Germany, und vielleicht klappt’s ja dann auch wieder mit Sprechen, Sehen und Hören.

Jetzt aber erstmal alle gemeinsam gut durch den Winter kommen. Wird schon irgendwie klappen mit Hilfe von Bundeskanzlers Doppel-Wumms, Wirtschaftsministers Flüssiggas-Shoppingtouren und der einen oder anderen Strickjacke, die ein jahrelanges, tristes Dasein im Kleiderschrank fristete und jetzt ihr glamouröses Comeback feiern darf, weil’s in Wohnzimmern und Büros dieses Jahr zwei, drei Grad kühler bleibt.

Wir wünschen Ihnen auch in angespannten Zeiten ein paar entspannte Feiertage im Kreis Ihrer Lieben. Verbringen Sie besinnliche Momente miteinander und seien sie dankbar, dass es diese Momente gibt und dass man sie nicht kaufen kann, nicht mal mit ein paar Geldsäcken aus Qatar. Und naja, wenn’s unterm Baum dann trotzdem kracht und die Fetzen fliegen, muss das auch nicht unbedingt von Nachteil sein. Einfach direkt mal bei Netflix durchklingeln – vielleicht wird ja was draus.
Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachtstage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!!

Ihr
Team von SB&W

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