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08 Dezember 2023

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Oktober 2023

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer heute jugendlich ist, muss sich so einiges gefallen lassen. Während es früher mal locker möglich war, sich mit eigener Musik und eigenen Klamotten von den Erwachsenen abzugrenzen und den berühmten eigenen Weg zu finden, stehen die Zeichen diesbezüglich heute eher schlecht. Eltern neigen längst dazu, sich selbst als Dauerjugendliche zu fühlen, und das hat dann die Konsequenz, dass sie die Online-Shops und Playlists ihrer Kids kapern, um zu signalisieren, dass Alter keine Rolle spielt, wenn man hip und auf der Höhe sein will.

Das vielleicht Einzige, was den Teens da noch bleibt, ist die Sprache. Und tatsächlich: Hier funktioniert die Abgrenzung noch super. Nehmen wir zum Beispiel das Jugendwort „cringe“. Das heißt so viel wie „peinlich“ oder „ich schäme mich fremd“. Stellen wir uns also vor, Eltern erzählen ihren Kindern beim Frühstück von der Party gestern Abend und sagen: „Aber die Mucke, die war echt cringe.“ Dann ist die einzig mögliche Reaktion der Kinder, sofort zu antworten: „Dass ihr cringe sagt, ist echt cringe.“ In anderen Worten: Tragt unsere Klamotten, hört unsere Songs, aber Hände weg von unserer Sprache!

Daran wollen wir uns hier und jetzt natürlich gerne halten. Aber ein Kompliment müssen wir doch aussprechen, und dafür müssen wir auch das Wort nennen, dass unsere uneingeschränkte Bewunderung findet. Es heißt: „NPC“. Offensichtlich eine Abkürzung, nur steht sie nicht für „nicht political correct“, wie wir Älteren vielleicht annehmen würden. NPC bedeutet „Non-Player-Character“ und kommt aus dem Gaming-Bereich. In einem Game sind das nämlich die Figuren, die man nicht spielen kann, die meist passiv und irgendwie nur als Deko rumstehen. Die Uncoolen eben, an denen man schnell vorbeisteuert, um die eigentliche, die wichtige Mission zu erfüllen, weil man selbst am Drücker und deshalb ein „Main Character“ ist. Warum nun aber NPC es geschafft hat, unsere Aufmerksamkeit zu erobern? Weil wir es vorher schlichtweg nicht für möglich gehalten haben, dass man das Wesen unseres Bundeskanzlers sage und schreibe in drei Buchstaben auf den Punkt bringen kann. Glückwunsch, Kids!

Um uns nun aber die Sprache des Nachwuchses nicht unzulässigerweise anzueignen, hätten wir einen anderen, zugegeben etwas konservativeren Vorschlag. Wir fordern hier und jetzt und feierlich den Duden auf, das Wort „ampeln“ offiziell in seinen Wortschatz aufzunehmen. Ein Verb, das völlig herkömmlich durch alle Personen genutzt werden kann: Ich ampele, du ampelst, er/sie/es ampelt, wir ampeln und so weiter und so fort. Die Bedeutung des neuen Begriffs wäre dann so ungefähr: „Es einfach nicht auf die Reihe kriegen, und sich darüber dann auch noch zerstreiten.“ Also circa das, was man bis vor kurzem noch der deutschen Fußballnationalmannschaft der Herren unterstellen musste, aber die gewinnt ja jetzt wieder und hat offensichtlich aufgehört zu ampeln.

Ergänzt werden könnte das schöne neue Verb dann auch noch um ein schönes neues Substantiv: „Ampelmann“. Jetzt nicht verwechseln, natürlich gibt es schon das „Ampelmännchen“, sogar in zwei Varianten, nämlich Ost und West. Unter dem „Ampelmann“ wollen wir dagegen denjenigen verstehen, der einer ampelnden Gruppe von Menschen (zum Beispiel Ministerinnen und Ministern) vorsteht, also gewissermaßen ihr kopfloser Kopf ist. Übrigens auch nicht zu verwechseln mit dem sehr ähnlich klingenden „Hampelmann“, der einen entscheidenden Unterschied für sich beanspruchen kann: Er bewegt sich hin und wieder.

Naja, mit der Sprache ist es eben so eine Sache. Klauen wir doch ruhig noch mal im Jugendwörterbuch: YOLO. Keine Ahnung, was das nun wieder heißt? „You Only Live Once“, also: „Du lebst nur einmal.“ Bleiben wir also entspannt, auch wenn zurzeit vielleicht ein bisschen zu viel geampelt wird.

Ihr

Team von SB&W

Bauvorhaben dieser Ausgabe

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