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07 Dezember 2022

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September 2022

Liebe Leser*innen,

es gibt ja bekanntlich Dinge, die man sich immer schon mal gefragt hat. Zum Beispiel, ob es Leben auf dem Mars gibt. Oder wie Helene Fischer es hinkriegt, in einer einzigen Show eine komplette Boutique Klamotten vorzuführen und bei all diesem Umgeziehe ganz nebenbei auch noch zu singen. Oder ob Helene Fischer nicht sowieso so überirdisch ist, dass sie vielleicht vom Mars stammt, was dann zumindest die erste Frage beantworten würde.

Eine Frage allerdings haben wir uns gar nicht wirklich gestellt und bekommen trotzdem momentan so viele Antworten auf sie, dass wir uns ernsthaft fragen müssen, ob wir uns für die falschen Dinge interessieren. Diese Frage lautet: Wie duschen unsere Politikerinnen und Politiker? Wobei man der Fairness halber gleich einschränken muss, dass sich in dieser Angelegenheit eher die Herren als die Damen der Schöpfung hervortun und offenlegen, wie sie ihre Aufenthalte hinterm Duschvorhang gestalten.

Nun wissen wir also, ohne es jemals wissen gehabt zu wollen, dass Wolfgang Kubicki kalt duscht. Das ist ganz bestimmt schön für ihn und außerdem praktisch, weil es sich an jedem Herbst- und Wintermorgen, an dem es ausreichend regnet, gleich mal eben auf dem Balkon erledigen lässt. Einen etwas höheren Schwierigkeitsgrad gönnt sich unser Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck. Er beschränkt seine Duschzeit auf exakt fünf Minuten, zuzüglich Abtrocknen und Kämmen natürlich. Damit stellt sich aber sofort die viel interessantere Frage: Wie macht er das bloß? Eieruhr? Wecker? Oder ein Mal lauthals Helenes „Atemlos durch die Nacht“ trällern (3 Minuten, 39 Sekunden) und genüsslich einen Refrain hintendran hängen?

So weit, so nass. Was dann aber vielleicht doch einen Schritt zu weit geht, ist, dass unsere Kalt- und Kurzduscher ihr vorbildhaftes Verhalten in der Nasszelle nicht preisgeben, weil sie ein bisschen aus dem Nähtäschchen plaudern wollen, sondern weil – ja, tatsächlich! – weil sie wirklich Vorbilder des Idealduschens sein möchten. Sie erklären uns also das ABC des D (Duschens), weil sie wollen, dass wir ihren Beispielen folgen und die Eieruhren an- bzw. das Warmwasser ausstellen. Und das ist dann doch mal wieder der Moment, in dem man die Ex-Kanzlerin vermisst. Sie blieb immerhin höflich genug, uns zu Beginn der Corona-Pandemie nur das Händewaschen zu erklären, also die Sache mit dem Einseifen und ruhig mal eine Weile und ruhig mal beherzt unter den Strahl Halten, aber um Himmelswillen bloß keine vollen fünf Minuten!

Aber apropos Ex, beziehungsweise Cum-ex, beziehungsweise Cum-ex-Geschäfte. Ihnen ist zu verdanken, dass wir nicht auch noch erfahren müssen, wie unser aktueller Kanzler duscht. Denn seine Aussagen zur Cum-ex-Affäre in Hamburg legen nahe, dass er über frappierende Lücken der Erinnerung verfügt. Selbst wenn er also seinen Kollegen folgen und uns Auskunft über korrektes Verhalten in der Kachelabteilung geben möchte, könnte er das wahrscheinlich gar nicht tun. Er hätte wohl mittags schon vergessen, wie er es morgens veranstaltet hat.

Ein Punkt in dieser ganzen Rumduscherei sollte uns trotzdem Sorgen machen. Früher hieß doch völlig zu Recht, dass einem die besten Ideen wo kommen? Genau. Unter der Dusche. Wenn also nun unsere Parlamentarier und Minister ihre Duschzeiten so drastisch verkürzen, folgt daraus logisch, dass sie sich damit viele Chancen auf beste Ideen nehmen. Und, ganz ehrlich, man braucht nicht mal die Gas-Umlage, um zu erkennen, dass da tatsächlich etwas dran ist.

Ganz zum Schluss mal ein bisschen schonungslose Wahrheit: Es gibt zur Zeit viele wichtige Themen, aber das Duschen gehört definitiv nicht zu ihnen. Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, und uns drücken wir die Daumen, dass wir gemeinsam halbwegs glimpflich durch die Energiekrise kommen, dass sich die Flüsse wieder mit Wasser und die Oder wieder mit Fischen füllt. Und dass wir in all dem Unheil trotzdem immer wieder unsere Momente des Glücks finden. Vielleicht ja sogar auf einem Konzert von Helene Fischer.

Ihr
Team von SB&W

Bauvorhaben dieser Ausgabe

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